Symphonieorchester Vorarlberg
 

Das SOV in der Presse





Platzkonzert
14. Juni 2017

Einfallsreich und vielseitig

Das Symphonieorchester Vorarlberg bespielte im Rahmen der „Montforter Zwischentöne“ die Stadt und lud zum sinnenreichen Spaziergang. Zahlreiche Musikbegeisterte folgten der Einladung und bekamen musikalisch Anregendes geboten. Begeisterung lösten die Platzkonzerte in den Arkaden der Fußgängerzone und im Gewölbekeller eines Altstadthauses aus.

Die interpretierten Werke von André Previn und Francis Poulenc ergänzten sich in der musikalischen Aussagekraft hervorragend und so freudvoll musiziert entfaltete die Musik einen ganz besonderen Drive und sprach die Zuhörenden unmittelbar an.

…wurde die Begeisterung des Publikums erlebbar, die das „Quinteto del Arco Nuevo“….. mit ihrer emotionsgeladenen Musik hervorrief.

Eine konzentrierte Ruhe machte sich im schönen Ambiente des Gewölbekellers im Altstadthaus Sonne breit. Hier musizierte das Ensemble „GiRardi Plus“…das tragisch-romantische Streichsextett „Verklärte Nacht“ von Arnold Schönberg. Die Intensive Werkdeutung sowie die in einem feinsinnig aufeinander abgestimmten Einverständnis spielenden Musiker bescherte den Zuhörenden ein ansprechendes musikalisches Erlebnis, das die expressiven Inhalte voll zum Ausdruck brachte.

Zum großen Finale führte das Symphonieorchester Vorarlberg unter der Leitung von Peter Tilling die Zuhörenden mit Rimski-Korsakow und den Geschichten von „Scheherazade“ in orientalische Gefilde.

Diese Ausgabe der „Montforter Zwischentöne war im Hinblick auf den Publikumszuspruch die bisher erfolgreichste. Die Aufbereitung des vermeintlich romantischen Themenkreises „träumen“ mit politischer Utopie und psychologischen Deutungen, vermischt mit sommerlicher Leichtigkeit, traf den Nerv der Zeit.


Kulturzeitschrift, Silvia Thurner, 03.07.2017

Schüler- und Tanztheaterprojekt SKETCHES
30. Mai 2017

Langanhaltender Applaus und Standing Ovations


Was die rund 40 jungen Tänzerinnen und Tänzer, die unterschiedlicher nicht sein konnten, gemeinsam mit dem Vorarlberger Symphonieorchester auf die Bühne gebracht haben, riss die Zuschauer zu lang anhaltendem Applaus hin.

Die spannungsgeladene und abwechslungsreiche Musik des russisch-deutschen Komponisten Schnittke, vielfarbig gespielt vom Vorarlberger Symphonieorchester, unter der Leitung von Martin Kerschbaum, gibt den jungen Darstellern viel Platz.

Das Zusammenspiel mit dem Symphonieorchester, das die energiegeladene Kraft von Schnittkes Musik eindrucksvoll wiedergibt, klappt hervorragend.

Dafür……wurden sie mit lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations belohnt.


Schwäbische Zeitung, Yvonne Roither, 31.05.2017


Verdammt schön, dieser Schnittke

Über 40 Jugendliche bringen mit "Sketches" kleine Stücke zu großer Wirkung.

Selbst wer aufgrund der langen Probenarbeit und in Kenntnis früherer Produktionen des Walktanztheater mit sehr hohen Erwartungen das Bregenzer Festspielhaus betrat, kam irgendwann aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Mit "Sketches von Alfred Schnittke (1934-1998) eine große Produktion in Kooperation mit dem Unternehmen der Vorarlberg Theatermacherin Brigitte Walk in Angriff zu nehmen, hat sich als Entscheidung von Thomas Heißbauer, dem Geschäftsführer des Symphonieorchester Vorarlberg, auf alle Fälle rentiert.

[...] Die, die gekommen waren, gerieten jedenfalls sehr rasch in den Sog und verfolgten spürbar konzentriert eine Aufführung, die zweifellos zu den Höhepunkten im anspruchsvollen Kulturprogramm des ersten Halbjahres in der Region zählt. Das entsprechend groß besetzte Symphonieorchester war unter Martin Kerschbaum bestens drauf und wie es Brigitte Walk und ihre Choreografin Anne Thaeter schaffen, Schüler, Lehrlinge und in diesem Fall auch einige als Flüchtlinge nach Vorarlberg gekommene junge Menschen so zu motivieren und zu trainieren, dass es nicht mehr auffällt, wer schon länger beim Walktanztheaer mitmacht oder wer Neuling ist, ist immer wieder erstaunlich.


Vorarlberger Tageszeitung, Christa Dietrich, 31. Mai 2017


Den Spielraum kreativ und mit bewundernswertem Selbstbewusstsein ausgefüllt - die Tanzperformance "Sketches" faszinierte und hinterließ eindrückliche Spuren

Die farbenreiche Musik Alfred Schnittkes ist surreal und bilderreich angelegt und bezieht sich auf literarische Werke des ukrainischen Schriftstellers Nikolaj Gogol. Auf der großen Bühne des Bregenzer Festspielhauses setzte die Tanztruppe das Stück mit vielseitigen tänzerischen Ausdrucksformen um und deuteten sie mit einem gut durchdachten und energiegeladenen Bewegungsfluss.

[...] Geistreich griff die Choreografie überdies markante Elemente der rhythmusbetonten Musik auf, so dass die Tänzerinnen und Tänzer den musikalischen Duktus unterstrichen und im Raum weiterdachten.

[...] Martin Kerschbaum und das Symphonieorchester Vorarlberg entfalteten die energiegeladene Kraft, die Alfred Schnittkes Musik innewohnt. Einesteils begeisterte die vielfältige Instrumentierung, andernteils lenkten die vieldeutigen Zitate und Allusionen in Schnittkes „Sketches“ die Aufmerksamkeit auf sich. Bewundernswert gelang die Koordination zwischen der Tanzgruppe und dem riesig besetzten Orchester. Trotz der reichhaltig instrumentierten und ereignisreichen musikalischen Verläufe stellte sich das Orchester sympathisch in den Dienst der Tanzperformance und überhöhten damit die Gesamtwirkung.

[...] Die Aufführung der „Sketches“ bedeutet für das Symphonieorchester Vorarlberg einen Markstein in seinem Bemühen, auch Jugendliche anzusprechen. Brigitte Walk (Regie) und Anne Thaeter (Choreografie) wirkten in künstlerischer und pädagogischer Hinsicht bewundernswert zusammen. Die außergewöhnliche Kreativität, der musikalisch-theatralisch-tänzerische Zugang, die monatelange Arbeit mit Jugendlichen aus jeweils unterschiedlich sozialem Umfeld und Kulturkreis und die originelle Musik wurden zu einem sinnstiftenden Ganzen zusammengefügt, das auf helle Begeisterung stieß und noch lange nachwirken wird


KULTUR, Silvia Thurner, 31. Mai 2017


Großes und junges Tanztheater

...Tatsächlich bietet sich dem Zuschauer eine bunte, schräg-absurde Performance, mit einem Orchester, das ein breites musikalisches Spektrum abdeckt. Unter anderem kommen Streicher und Bläser, ein Klavier, ein Cembalo und ein Schlagzeug zu Einsatz. Die atmosphärischen Bilder wechseln rasch, mal heiter und schnell, mal tief und beinahe bedrohlich wirkt die Musik. Eine wundersam-märchenhafte Stimmung zieht sich, auch im Tanz, durch die Inszenierung.

Getragen wird das Stück auch von der komplexen und raffinierten Choreografie, die doch leicht und humorvoll präsentiert wird.

[...] In "Sketches" fügen sich auf den ersten Blick simple Gesten und Bewegungsabläufe zu einem kunstvollen Gesamtbild zusammen, das die Stimmungen in einem fließenden Ganzen zusammenfasst. Der Zuschauer findet sich in einer skurrilen Welt wieder, in die er auch mit der Musik geführt wird: Das Orchester in ein bedeutsamer Träger dieser fantasievollen und effektreichen Performance. Ein Beispiel: das wunderbar schräge Cembalo-Spiel (Jürgen Jakob).

Die Verantwortlichen dieses Projektes haben mit "Sketches" eine erfolgreiche Vermittlungsarbeit geleistet: Den jugendlichen Tänzern war ihre Freude an dem Stück anzumerken. Die Komposition von Schnittke ist die Grundlage für eine Tanz-Performance, die weder flach noch gefällig, aber leicht zugänglich ist. Das junge Publikum schien jedenfalls begeistert.


NEUE Vorarlberger Tageszeitung, Lisa Kammann, 31. Mai 2017

Pressestimmen 6. Abokonzert
am 13. und 14. Mai 2017

Bunter Mix

Zum Abschluss der Abonnementsaison lotete das Sympohonieorchester Vorarlberg unter der Leitung von Gérard Korsten mit einem Werk von Georg Friedrich Haas mikrotonale Zusammenklänge aus, musizierte mit Xavier de Maistre ein Harfenkonzert, wendete sich schließlich der "Maurischen Trauermusik" von Mozart zu und spielte Schuberts berühmtes Streichquartett "Der Tod und das Mädchen" in der Version für Streichorchester.

[...] In der Zugabe kamen die Qualitäten von Xavier de Maistre so richtig zur Geltung. Den Variationensatz "Karneval von Venedig" von Felix Godefroid, dem das berühmte Volkslied "Mein Hut der hat drei Ecken" zugrunde liegt, entwickelte er mit viel Elan. Dabei führte der Harfenist den Klangfarbenreichtum der Harfe sowie seine spieltechnische und musikalisch-gestalterische Raffinesse mitreißend aus. Das Publikum reagierte prompt und enthusiastisch.

Den Eröffnungssatz spielte das SOV mit dramatischer Gestik und zu Beginn transparent ausgeformten Linien. Die Freude am Gestalten war zu spüren und der Gesamtklang im gut ausbalancierten Pianissimo beeindruckend...Die Aufmerksamkeit lenkte das schön gespielte Geigensolo des Konzertmeisters Michal Majersky auf sich. Im Presto kamen die dynamischen Kontraste gut zur Geltung und zudem wurde die rhythmische Note wirkungsvoll unterstrichen.


KULTUR, Silvia Thurner, 14. Mai 2017


Mikrotonal unterwegs

Zum Saisonabschluss trat das Symphonieorchester Vorarlberg in schlanker Besetzung und einem vielfältigen Programm an, dirigiert von seinem Chef Gérard Korsten. Faszinierend war die Begegnung mit dem Star-Harfenisten Xavier de Maistre.

[...]2011 wurden die "Chants oublies" vom Münchner Kammerorchester uraufgeführt ... da ist sauberste Intonation Voraussetzung, und die Musiker des SOV sind in der Lage, sie zu realisieren.

Höhepunkt des Konzertes war der Auftritt des Harfenisten Xavier de Maistre mit einem Konzert von Francois Boieldieu mit seinem feinperlenden Spiel, das sich auch bei der Zugabe in beachtlicher Virtuosität zeigte. Von der Komposition her eher unbedeutend, schaffte es Gérard Korsten mittels lebendiger Phrasierung, das Werk interessant zu gestalten. Solches gelang ihm auch nach der Pause, mit Mozarts "Maurerischer Trauermusik" und Schuberts Quartett "Der Tod und das Mädchen" in der Bearbeitung für Streichorchester von Gustav Mahler.


Kronen Zeitung, Anna Mika, 16. Mai 2017

Pressestimmen 5. Abokonzert
am 16. und 17. April 2017

Scharfgestochene Details und beglückende Momente

…wie zu erwarten ein Ereignis: hochkonzentriert und mit langer Nachwirkung. Dabei waren Kirill Petrenko und die Musiker des erweiterten Symphonieorchesters Vorarlberg ein Herz und eine Seele. Klangfülle wird dabei nie massig, jedes Detail scheint scharfgestochen auf, es gibt beglückende Momente…

St.Galler Tagblatt, Bettina Kugler, 18. April 2017


Ein Klangmagier, der sein Wort hält

Kirill Petrenko gelang mit dem SOV und Mahlers "Fünfter" ein Höhepunkt.

Ein Abend, der Geschichte geschrieben hat durch eine Mahler-Interpretation, wie sie perfekter und spannender kaum denkbar ist. Der aus Russland stammende Topdirigent Kirill Petrenko (45) machte die "Fünfte" zum vorläufigen Höhepunkt seines Zyklus mit dem Symphonieorchester Vorarlberg. Ein genialer Klangmagier und ein großartiger Mensch, der dem Land seiner Jugendjahre und den Musikern des SOV aus als Weltklassedirigent die Treue hält. Ihre Hochachtung dafür haben Zuhörer und Musiker am Sonntag im längst ausverkauften Montforthaus mit euphorischen Kundgebungen für den bescheiden wirkenden Petrenko artikuliert.

[...] Petrenko geht Mahlers Werk zwar mit der gewohnten Akribie analytisch auf den Grund, lässt nichts durchgehen - und den Musikern dennoch ihre Freiheiten. Den vielen profilierten Solisten etwa in den exponierten Stellen, allen voran der nervenstarke Trompeter Roché Jenny mit blitzsauberen Signalen im ersten Satz. Beeindruckend, mit welch ausgeprägtem Klangsinn und gezieltem Körpereinsatz Petrenko als Kraft- und Ruhepol zugleich die gerade bei Mahler prägende Farbgebung behandelt, (...).

...dem steht mit dem aus Streichern und Harfe gewobenen melodiösen "Adagietto" als Ruhepunkt ein Wunder an Klanglichkeit und Intensität gegenüber. (...) Es ist wie eine Rehabilitation, eine berührende Rückführung zu den Ursprüngen im Konzertsaal, wie Petrenko gerad diesen Teil mit dem seidigen Glanz von 60 Streichern des SOV zum Lehrstück für emotionale Wirkung ganz ohne Sentimentalität erhebt.

Der Tiroler Daniel Schmutzhard (...) bietet mit Mahlers irrlichternd zwischen Dur und Moll angesiedelten "Lieder eines fahrenden Gesellen" weit mehr als einen Appetizer. Mit schön ausgeformtem Bariton und einer breiten Ausdruckspalette macht er in der Anlage keinen großen Unterschied zwischen den beiden Figuren und ihrer blinden Verliebtheit, in die auch der Schmerz bereits einkomponiert ist.


Vorarlberger Nachrichten, Fritz Jurmann, 18. April 2017


Bildhafte Präzision und Präsenz

Mit der fünften bescherten der drahtige Mittvierziger und das Orchester, in dem immer noch zahlreiche seiner Studienkollegen musizieren, dem Publikum ein besonderes Ostergeschenk. Im beengten Raum des neuen Montforthauses in Feldkirch und im Bregenzer Festspielhaus ließen sich die Musiker anstecken von Petrenkos ebenso leidenschaftlicher wie präziser Körpersprache.

[...] In Mahlers "Lieder eines fahrenden Gesellen", die das Programm eröffnen, führt er das Orchester, als sei es ein Kammermusikensemble, holt er mit den wunderbaren Holzbläsern den Gesang der Vögel hinein in den großen Saal. (...) punktet der Sänger [anm. Daniel Schmutzhard] mit großer Natürlichkeit und Textdeutlichkeit, wenn er sich vom feinen Wispern der Streicher tragen lässt und schöne Dialoge mit den Bläsern entstehen. Der Trauermarsch im letzten Lied schafft die überzeugende Verbindung zur fünften Symphonie und der sie eröffnenden Trompetenfanfare.

...da zeichnet er zärtlichste Figuren, entwickeln rauschhafte Steigerungen und Klangexplosionen ihre Wucht, spielen die Klarinetten und anderen Holzbläser so natürlich und musikantisch, wie es Mahler in seiner böhmischen Heimat gehört haben mag.

...Petrenko lässt die Vorarlberger ebenso frech wie elegant aufspielen.

Wie das Finale mit den spritzig angestochenen Streicherfiguren, dem Wirbel der Bläser und Schlagwerker und der Raserei der letzten Takte durchsichtig wie Kammermusik klingt, bleibt Petrenkos Geheimnis.


NEUE Vorarlberger Tageszeitung, Katharina von Glasenapp, 18. April 2017

Pressestimmen 4. Abokonzert
am 10., 11. und 12. März 2017

Begegnung auf Augenhöhe mit den "Jahreszeiten"

Benjamin Lack, Feldkircher Kammerchor und SOV: Bei Haydn sind sie eins geworden.

Nun war es also soweit: Benjamin Lack, seit Jahren eine feste Größe auch als Orchesterleiter im Land, stand erstmals am Pult des Symphonieorchesters Vorarlberg. Eine Begegnung auf Augenhöhe, mit gegenseitigem Respekt und einem tollen Ergebnis.

... Das ergab in drei Aufführungen (...) die ideale Konstellation für eine hochklassige Wiedergabe von Joseph Haydns "Die Jahreszeiten".

...Lack ist dabei mit seinem musikalischen Spürsinn in jedem Moment Herr der Lage, dirpnoiert klar und deutet mit seinem sprechenden Dirigat die klanglichen Schönheiten der Partitur aus, ohne je die Balance zu gefährden. Trotz der erforderlichen großen Orchesterbesetzung gelingt ihm dabei euch eine kammermusikalisch verinnerlichte Deutung. Dazu ist der in den oft fugierten Chören über weite Strecken extrem geforderte Feldkircher Kammerchor mit 48 Stimmen zwar nicht zahlenmäßig, aber kräftemäßig stark aufgestellt, bleibt trotzdem schlank und wortdeutlich (...).

Das Orchester mit seinem fabelhaften Konzertmeister Pawel Zalejski führt in den Vorspielen gekonnt in die Stimmung ein, erfreut sich in der sommerlichen "Menagerie" zwitschernd und quakend an Haydns lautmalerischem Humor und setzt sich im Gewitter in Szene.

Auch die kostbaren Stimmen des Solisten-Terzetts passen fern jeder opernhaften Attitüde in dieses Konzept. Ihre von hohem persönlichen Gestaltungswillen geprägten Rezitative, Arien und Ensembles werden zu wunderbaren Ruhepunkten im Geschehen, etwa der Sonnenaufgang im "Sommer", der für ein erstes Gänsehautfeeling sorgt.

... Durch perfekte Verständlichkeit und einen höhensicheren Tenor beeindruckt der Wiener Daniel Johannsen. Der ausdrucksvoll gestaltende deutsche Bariton Florian Götz hat seine schönsten Momente in der Arie vom "munt'ren Hirten" zusammen mit dem Solohornisten Markus Höller. Die Spielzeit von über zwei Stunden bleibt spannend bis zum finalen Doppelchor als einem gemeinsamen Kraftakt, zu dem noch das geballte Blech auffährt. Das ausverkaufte Haus verfolgt das Geschehen überaus konzentriert, der Beifall währt lange und ist herzlich.


Vorarlberger Nachrichten, Fritz Jurmann, 13. März 2017


Jahreszeiten als Sinnbilder des Lebenskreises
das vierte Abokonzert des SOV unter der Leitung von Benjamin Lack berührte und fand viel Zustimmung

Die ungewöhnliche Orchesteraufstellung, bei der die Posaunen links hinter den ersten Geigen und die Trompeten rechts hinter den zweiten Geigen positioniert waren, ergab einen gut in sich abgerundeten Orchesterklang. Ohne zu kräftig in den Vordergrund zu treten, setzten die Blechbläser auf diese Weise vor allem in den hymnischen Passagen schöne Glanzpunkte. Überdies wirkte sich die Choraufstellung, in der die Frauenstimmen ganz oben und die Männer davor postiert waren, gut auf die chorische Klangbalance aus.

... Am Beginn des „Frühlings“ mussten sich die Zuhörenden noch etwas gedulden, denn die einzelnen Teile fügten sich erst zögerlich zu einem Ganzen zusammen. Doch die herausragenden Soli aus den Reihen der Orchestermusiker lenkten die Aufmerksamkeit auf sich und setzten klangmalerische Akzente.

Gut proportioniert waren die Höhepunkte innerhalb des musikalischen Verlaufs. Benjamin Lack gab den Rezitativen zeitlichen Entfaltungsspielraum und steigerte dadurch die Wirkung der darauffolgenden Arien. Viele motivische Details und reichhaltige Orchesterfarben zeichneten den Text nach und sorgten für abwechslungsreiche musikalische Stimmungen und Bilder.

Im „Sommer“ fanden alle Beteiligten zu einem gemeinsamen Atem. Bereits die romantische
Orchestereinleitung ließ aufhorchen. Feinsinnig lichtete sich der musikalische Duktus im Rezitativ von Lukas und das Terzett mit Chor als auskomponiertes Crescendo führte wirkungsvoll vom Dunkel zum Licht.

Nach diesem ersten Höhepunkt entluden alle gemeinsam die geballte musikalische Energie in einer mitreißenden Sturm- und Gewitterszene. Die daran anschließende Passage verströmte mit einem weichen Pianoklang eine unerwartete Zurückhaltung und kam genau deshalb hervorragend zur Geltung.

Neben derart naturalistischen Schilderungen reizten Benjamin Lack, die Sängerinnen und Musiker auch andere Archetypen voll aus. So sorgte die naive Naturseligkeit im Stil eines Singspieles vor allem im „Herbst“ für eine gelungene Abwechslung. Imposant gestaltet erklangen die hymnischen Jubelgesänge in der Jagdszene. In Erinnerung blieb überdies das laufende Radmotiv des Spinnerliedes.

Auch die Änderung des Aussagegehaltes im „Winter“ wurde gut nachvollziehbar ausgestaltet. Die Erstarrung auf der einen Seite und die Überhöhung des Naturbildes auf die menschliche Existenz auf der anderen Seite ergaben eine intensive musikalische Wirkung.

Benjamin Lack leitete den Chor und das Orchester mit einer lebhaften und leidenschaftlich bewegten Gestik. Er setzte zahlreiche Akzente, die die Musiker plastisch ausformten. Eine gute Basis dafür bildete die vielgestaltige und nuancierte Spielart der Streicher.

Seit Jahren leitet Benjamin Lack den Kammerchor Feldkirch und wie gewohnt durfte man
darauf vertrauen, dass die Sängerinnen und Sänger bestens vorbereitet und auf hohem Niveau ihren Part gestalten würden. Der Kammerchor Feldkirch sang ausgewogen und wirkte über die gesamte Dauer des gut zweistündigen Werkes sehr präsent. Bewundernswert war die Textdeutlichkeit, mit der die Sängerinnen und Sänger alle Passagen ausdeuteten. So kamen die unterschiedlichen Klangbilder in den Bittgesängen und hymnischen Preisungen ebenso gut zur Geltung wie in den kontrapunktisch gesetzten Passagen.

Die Solisten fügten sich hervorragend in das Geschehen ein. Gut aufeinander abgestimmt,
textdeutlich und ohne opernhaften Vortrag erklangen das warme Timbre der Sopranistin Mara Mastalir und das helle Timbre des Tenors Daniel Johannsen. Ergänzend dazu gefiel auch der Bariton Florian Götz.

Das Publikum applaudierte lange und herzlich für die gelungene Aufführung.


KULTUR, Silvia Thurner, 13. März 2017


Ein facettenreiches Werk

Beim vierten Abo-Konzert des Symphonieorchesters Vorarlberg (SOV) erlebte man unter der Leitung von Benjamin Lack wunderbar farbenreiche Aufführungen von Joseph Haydns „Die Jahreszeiten“ im Zusammenwirken von Orchester, Kammerchor Feldkirch und drei überzeugenden Solisten.

[...] Der Kammerchor Feldkirch (...) feiert mit diesem Werk unter der beflügelnden und inspirierenden Leitung seines Dirigenten Benjamin Lack ein festlich schwungvolles Jubiläum. (...) und schwingt sich mit warmem, leuchtendem Klang über das Orchester. Denn das von Haydn und seinem Textdichter Gottfried van Swieten beschworene „Lustgeschrei“ weiß der erfahrene Stimmbildner Benjamin Lack in kultivierten Chorklang zu verwandeln.

Ungemein plastisch und differenziert arbeitet Lack mit dem Orchester: sei es in den Orchestereinleitungen zu den einzelnen Teilen, (...) sei es in den filigranen Streicherpassagen oder den konzertanten Holzbläsersoli.

Mit schlank geführten, beweglichen Stimmen, leichten Koloraturen und sachter Ironie über die Sprachbilder aus einer vergangenen Zeit fügen sich auch die Solisten perfekt in diese Aufführung ein: Anmutig, lieblich, wenn auch im großen Saal nicht ganz textverständlich, führt die Sopranistin Mara Mastalir das Trio mit leuchtendem Sopran an. Der geborene Erzähler, der mit Farben, wunderbarer Pianokultur und Dynamik zu spielen weiß, ist der Tenor Daniel Johannsen. Ebenso pointiert und sprachbetont, wenn auch weniger auf Linie singend, gestaltet Florian Götz die Baritonpartie und es versteht sich von selbst, dass diese drei auch im Ensemble harmonieren. Großer Jubel für alle Beteiligten an diesem facettenreichen Meisterwerk.


NEUE Vorarlberger Tageszeitung, Katharina von Glasenapp, 13. März 2017

Pressestimmen Oper "Orpheus und Eurydike"
Premiere am 1.2.2017

Musikalisch exzellente Opernpremiere am Landestheater:
"Orpheus sucht Frau" oder "Das doppelte Lottchen"

Das war am Mittwoch in erster Linie ein exzellentes musikalisches Ereignis, das als solches vom ausverkauften Haus am Kornmarkt auch entsprechend bejubelt wurde. Der Beifall galt der hervorragenden Besetzung mit dem Orpheus an der Spitze gleichermaßen wie dem Bregenzer Festspielchor und dem Symphonieorchester Vorarlberg.

Christoph Willibald Glucks „Orpheus und Eurydike“ entstand in der jährlichen Koproduktion des Landestheaters mit dem SOV als eineinhalbstündiger komplexer Spannungsbogen, bei dem vor allem die musikalische Umsetzung faszinierte.

Der Mann des Abends aber ist der Dirigent Michael Hofstetter (55), seit 2005 bei der Schubertiade zugange, der mit dieser Arbeit in Bregenz debütierte. Dem heute international gefragten Barockspezialisten ist es gelungen, dieses als Reformoper gedachte Werk in der Wiener Fassung auf seine eigentliche Grundlage zurückzuführen. Denn das war schon im Entstehungsjahr 1762 genau genommen keine Barockoper mehr, sondern ein frühklassisches Werk, mit dem Gluck von der überladenen Instrumentation und Verzierungstechnik im Gesang abrücken wollte und in dem man überlieferte Koloraturen auch nur für den hier stilgerecht mit einem Countertenor besetzten Orpheus, aber kaum für die beiden weiblichen Rollen von Eurydike und Amor findet. Auch der Orchesterklang muss bei Hofstetter nicht so sklavisch streng sein wie bei Monteverdi, da genügt es, wenn die hoch motivierten und vom kundigen Maestro intensiv gebrieften Musiker des SOV ihren modernen Instrumenten mit Hilfe von Vibratoarmut, Strichen, Artikulation und Phrasierung vor allem in den Streichern einen verblüffend authentischen, sehr persönlichen Anstrich geben. (...) Dazu ergeben straffe Tempi, extrem ausgereizte Dynamik und eine kluge Rhetorik in der Umsetzung der gefühlsmäßigen Ausdruckspalette eine stilistisch in höchstem Maße befriedigende, weil der Musik entsprechende Wiedergabe von Glucks Oper. So schnörkellos wie hier hat man etwa den vielgespielten „Reigen seliger Geister“ wohl kaum einmal gehört. Und so ist von der wunderbaren Wandlung des Symphonieorchesters Vorarlberg in ein respektables Barockorchester zu berichten – ein Quantensprung in der Geschichte des SOV!


KULTUR, Fritz Jurmann, 02. Februar 2017


Orfeo sieht und singt doppelt

(...) Michael Hofstetter (...) macht sich nicht viel aus Begriffen, sein Bregenzer "Orfeo" bzw. "Orpheus" und lässt den Schluss zu, dass er das Orchester, das Barocktrompeten kennt, ansonsten aber auf neuen Instrumenten spielt, als Geschichtenerzähler versteht, der Schmerz, Verzweiflung, Sehnsucht, Hoffnung, Überzeugtheit und Liebe zu vermitteln hat und das auch nach Tempovorgaben und in gut getroffener Strenge mit einem Ergebnis tut, das das Kornmarkttheater gestern Abend zu einem besonderen Klangraum machte, was dazu führte, dass das Publikum ungewöhnlich lang auf den Plätzen verharrte.

Vorarlberger Nachrichten, Christa Dietrich, 2. Februar 2017

Amor ist gnädig

... So sitzt im Orchestergraben des Bregenzer Landestheaters eine relativ kleine Auswahl von Musikern, die sich als stilistisch äußerst flexibel erweisen.

...Dennoch überzeugen sie unter Hofstetters zupackender Leitung mit einem schlanken, geschärften Klangbild, wie man es vom SOV bisher nicht gehört hat.

Messerscharf artikuliert schießen die schnellen Streicherpassagen auseinander, als die Furien Orpheus den Zutritt zur Unterwelt verwehren wollen. Traumhaft leise verhallt im Orchester das Echo seines Gesangs. Heikel-quirlige Naturklänge der Holzbläser fügen sich spielerisch leicht in das Kontinuum des vorbildlich mit den Bässen ausbalancierten Gesamtklangs.


Schwäbische Zeitung, Werner M. Grimmel, 6. Februar 2017

Pressestimmen 3. Abokonzert
am 21. und 22. Jänner 2017

In der Ruhe liegt die Kraft, die Klänge schafft

Ganz schön aufgemischt wurden beim dritten Abo-Konzert des Symphonieorchesters Vorarlberg am Samstag im ausverkauften Montforthaus (...) die eingefahrenen Rituale dieses Zyklus. Da debütierte am Pult der namhafte deutsche Dirigent Kevin Edusei, in seiner überlegenen Ruhe eine herrliche Antipode zum temperamentgeladenen Chefdirigenten, da brachte erstmals auch der ARD-Preisträger und "Echo Klassik"-Gewinner Sebastian Manz mit seiner Klarinette den Saal zum Kochen. Und schließlich gab es auch ein Programm abseits des Mainstreams mit Werken, die das SOV noch nie gespielt hat.

...Für ihn [J. Edusei] liegt die Kraft in der Ruhe, und so holt er bei Vasks die dicht chromatisch geflochtenen Steicher-Liegeflächen dieser "Musik der Schmerzen" mit ihren Glissandi, die wie Seufzermotive bei Bach klingen, mit beschwörenden Gesten wie ein Guru aus den hoch motivierten Streichern um Konzertmeisterin Monika Schuhmayer. Eine beklemmende, fast meditative Wirkung macht sich breit.

Es [Symphonie von Sibelius] ist insgesamt ein sehr farbig instrumentiertes Klanggemälde, mit düster-dramatischen Tönen im zweiten, einem vorüberhuschenden dritten Satz und einem pompös hymnischen Finale, das mit satten Geigen-Unisoni Einblicke in Handschrift und Landschaft verschafft. Edusei lässt als elegante Dirigentenpersönlichkeit mit seiner Ausstrahlungskraft aber auch das schön abgerundete Blech strahlen und die Holzbläser ihre kecken Melodien blasen.

Das Filetstück des Abends findet sich in der Mitte, mit dem sonnigen ersten Klarinettenkonzert f-Moll von Carl Maria von Weber (1811) [...] Jedenfalls bietet es dem jungen, aus Hannover stammenden und bei Sabine Meyer ausgebildeten Solisten Sebastian Manz in den bewegten Ecksätzen und im sanglichen Andante reichlich Anreiz, die menschliche Stimme zu imitieren: mit großer Brillanz, kultiviertem Ton ohne allzu viel Vibrato und einer musikantisch ausgekosteten Spannweite an Höhe, Dynamik und Rhetorik.

Geschäftsführer Thomas Heißbauer ist es gelungen, mit neuen Akzenten in der Besetzung und im Programm gewohnte Hör- und Sehgewohnheiten des SOV-Publikums aufzubrechen. Das ist durchaus als gelungen und spannungsfördernd anzusehen, auch im Sinne der didaktischen Aufgabe des Orchesters. Das Feldkircher Publikum jedenfalls ist diesen Weg ohne Einschränkung mitgegangen.


Vorarlberger Nachrichten, Fritz Jurmann, 23. Jänner 2017


Ruhevoll zelebrierte Klangflächen und quirliges Figurenwerk - Das Symphonieorchester Vorarlberg unter der Leitung von Kevin John Edusei sowie der Klarinettist Sebastian Manz boten viel Abwechslung

Im Rahmen des dritten Abonnementkonzertes stand erstmals der viel beachtete Dirigent Kevin John Edusei am Pult des Symphonieorchesters Vorarlberg. In einem musikdramaturgisch geistreich zusammengestellten Programm setzte er flächig angelegte musikalische Klanglandschaften des Letten Peteris Vasks und des Finnen Jean Sibelius in Beziehung zum temperamentvollen ersten Klarinettenkonzert von Carl Maria von Weber. Viel Applaus erhielt der Solist Sebastian Manz für seine spritzige und gelenkige Werkdeutung dieses romantischen Bravourstückes.

Sogleich mit der „Musica dolorosa“ von Peteris Vasks kamen die Qualitäten des aufstrebenden und viel gelobten Dirigenten Kevin John Edusei zum Ausdruck. Elegant, und mit einer angenehm ausstrahlenden Ruhe modellierte er die dicht verwobenen musikalischen Linien. Er ließ den einzelnen Phrasen – wie beispielsweise den immer wiederkehrenden absinkenden Glissandi in den Violoncelli und den Violinen - Zeit zur Entfaltung und führte die Themenstränge in gut proportionierten Kulminationspunkten zusammen. Auf diese Weise entwickelte sich die innewohnende Wehmut authentisch und nicht überdramatisiert. Besonderes Augenmerk schenkten die in einer guten Balance miteinander agierenden Streicher dem Zeitfluss des Werkes, indem sie die pulsierenden Tonrepetitionen eindringlich darstellten. Intensiv gelang darüber hinaus die dynamische Perspektivenwirkung, denn das über lange Zeiträume aufgebaute Crescendo verströmte den Eindruck einer ständigen Annäherung.

Große symphonische Klangentfaltung
Dass die Musiker des SOV ein Gespür für lange sich entwickelnde Linien, groß angelegte
symphonische Felder und sich aufbäumende musikalische Phrasierungsbögen haben, stellten sie schon in mehreren Werkdeutungen von Bruckner, Mahler aber auch Tschaikowsky unter Beweis. Dementsprechend formte das Orchester auch die hierzulande sehr selten zu hörende zweite Symphonie von Sibelius mit einem großen Augenmerk für die musikalischen Proportionen im Großen und solistische Details im Kleinen. Lange und klangfarbenreiche Entwicklungsprozesse durchfluteten den Raum im Feldkircher Montforthaus. Das ruhige, aber ausdrucksstarke Dirigat von Kevin John Edusei sowie der enge Kontakt zu den Orchestermusikern bewirkten eine konzentrierte Atmosphäre. Eine weite musikalische Landschaft implizierten die Musikerinnen und Musiker vor allem im zweiten Satz mit einem erdigen Fagottsolo, gut nachvollziehbaren Echowirkungen zwischen den Trompeten und Oboen und insbesondere mit Paukentremoli, die einesteils ein starkes Fundament boten und andernteils viel Dramatik ins Geschehen brachten. Pathetische Züge nahm das großflächige Finale an, das leidenschaftlich mit einer aufsteigenden Dreitongruppe, signalartigen Blechbläserfanfaren, in sich stark bewegten Klangmassen und markanten Tonwiederholungen gesteigert wurde. Das Symphonieorchester folgte Kevin John Edusei und gestaltete die auf- und abebbenden Klangmassen energiegeladen, zudem unterstrichen die zahlreichen Soli den positiven Gesamteindruck.

Einen Gegensatz zu den symphonischen Werken bildete das Klarinettenkonzert Nr. 1 von Carl Maria von Weber. (...) Zuerst mussten sich der Solist und das Orchester finden, doch bald war die erste Unsicherheit überwunden und die quirligen Spielfiguren entfalteten ihre mitreißende Wirkung. Sebastian Manz musizierte mit einem gelenkigen und hellen Klarinettenton, der gute Voraussetzungen für die virtuos ausgereizten Ecksätze bot. Das lyrische Thema im Adagio „sang“ der Solist auf seiner Klarinette. Die lichte Tongebung entfaltete sich schön, allerdings fehlte dem Toncharakter mitunter der sonore und warme Klang in den tieferen Registern. Als Höhepunkte der Werkdeutung blieben die Zwiesprache der Klarinette mit den Hörnern sowie jene Pianissimopassage in Erinnerung, in der das Hauptthema wieder eingeführt wurde.


KULTUR, Silvia Thurner, 22. Jänner 2017

Pressestimmen 2. Abokonzert
am 3. und 4. Dezember 2016

Eine Rose für das Orchester

Gérard Korsten, das SOV und eine Klaviervirtuosin lösten Begeisterung aus.
...Man spürt es vom ersten Ton an: Dirigent und Orchester spulen hier nicht ihren Dienst ab, sondern sind projektorientiert und damit hungrig nach Erfolg.

...Nach einer barocken Passacaglia kann vor allem sein romantisches Larghetto in erweiterter Tonalität auch bei den Zuhörern punkten. Die Musiker erwecken es mit sichtlichem Spaß, größter Leidenschaftlichkeit und Intensität zum Leben, bevor es mit einem zarten Violinsolo ausklingt.

Dann die Begegnung mit einer überlegenen Pianisten-Persönlichkeit, der aus Belgrad stammenden Anika Vavic [...] sie trifft genau den Gefühlsausdruck dieses wahnwitzigen Stücks virtuoser Klaviermusik und entfaltet aus ihrem sehr eigenständig geführten und oftmals im Orchester verschachtelten Solopart ein pianistisches Feuerwerk, das die Zuhörer verblüfft. Doch auch dem reichhaltig besetzten Orchester fordert der Komponist in diesen 24 Variationen schnelle Reaktion und eine Klangvielfalt ab, bis es in allen erdenkbaren Klangfarben glitzert und schillert oder zwischendurch mit einem Wald von Streichern über Klavierkaskaden zu Hollywood-Größe erstrahlt.

...Die blitzsaubere Art, wie das Blech die einleitende Fanfare der Symphonie Nr. 4 f-Moll von Tschaikowsky anstimmt, wird zum Signal für eine technisch, klanglich und interpretatorisch außergewöhnliche Wiedergabe dieser "Schicksalssymphonie" [..] Gérard Korsten ist hier wie elektrisiert, peitscht das Orchester in den Ecksätzen regelrecht vor sich her, volle Kraft voraus, nimmt dem Werk drängend, mit auftrumpfender Dynamik und in oft recht harten Ansätzen von vornherein jeden Anflug von Pathos oder Larmoyanz und generiert damit eine mitreißende Version, die beim Publikum nach dem letzten Triumphakkord einen Jubelschrei auslöst. Dass die mittleren Sätze zu sorgsam gedeuteten klanglichen Kostbarkeiten mit vielen wunderschön ausgespielten Bläsersoli und zum Lehrstück für klangvolles Pizzicato werden, sorgt dazwischen für wirkungsvolle Entspannung.


Vorarlberger Nachrichten, Fritz Jurmann, 5. Dezember 2016


Distanz und Hingabe lagen nahe beieinander

...Begeisterung löste die vielschichtige Interpretation der vierten Symphonie von Tschaikowski aus, denn die Orchestermusiker und Gérard Korsten liefen zu Hochform auf und spielten "auf Teufel komm raus".

...Die vielschichtig ineinander verzahnten melodischen Floskeln des Orchesterparts erklangen energiegeladen ausgeformt und die einzelnen Stimmgruppen wurden schillernd ineinander verwoben. Sehr präsent und sinnlich wirkten die langsamen Passagen, durchzogen von poesievollen Soli aus den Reihen der Holz- und Blechbläser, die immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich lenkten.

Dass das Orchester in Hochform ist, zeigte sich in der zweiten Konzerthälfte. Spannend und voller Elan, hingebungsvoll und spontan entfalteten die Musiker, temperamentvoll geleitet von Gérard Korsten, die vierte Symphonie von Peter I. Tschaikowsky. (...) Die Musik strahlt ein schicksalhaftes Ausgeliefertsein ebenso aus wie Zuversicht und Leidenschaft. Diese Charakteristika formte das SOV dramatisch heraus, nie lärmend, sondern eher durch eine Pianokultur bestimmt, die das Aufbegehren in Crescendo-Schüben umso mehr zur Geltung brachte. Viele Einzelheiten könnten an dieser Stelle genannt werden, die diese Werkdeutung so besonders machten. Herausragende Soli aus den Reihen der Holz- und Blechbläser, die feinsinnigen Akzentuierungen der Schlagwerker sowie die gut disponierten Streicher trugen alle auf ihre Weise ihren Teil zu dieser bewundernswert und detailreich ausformulierten Musik bei. Am Ende gab es Jubel für diese eindrückliche Werkdeutung, die wohl niemanden unberührt ließ.


KULTUR, Silvia Thurner, 5. Dezember 2016

Melancholie und Virtuosität

... Mit schönem Streicherklang, diabolisch virtuos und temperamentvoll präsentierte sich das Symphonieorchester Vorarlberg (SOV) unter seinem Chefdirigenten Gérard Korsten im Bregenzer Festspielhaus.

...Bei Rachmaninow darf nicht nur der Solist, die Solistin mit allerlei Finessen, Akkordpassagen, Sprüngen und Läufen brillieren, auch das ganze Orchester ist im Farbenreichtum seiner Instrumente gefordert.

Anika Vavic [...] musizierte die 24 Variationen mit größter Selbstverständlichkeit: Bald koboldhaft witzig und beweglich, bald poetisch melancholisch in schwingenden Glockenklängen, bald in wunderbar unaufgeregt wirkender Virtuosität. Das Symphonieorchester Vorarlberg begleitet es nicht nur, es war in den verschiedenen Instrumentengruppen auch ein sehr präsent aufspielender Partner.

...Korsten und das SOV machten diesen hohen Erregungszustand in hellen Fanfaren, fiebrig synkopischen Rhythmen und verzweifelt schicksalhaften Themen deutlich. Schöne Holzbläsersoli im langsamen Satz, scharf angerissene Pizzicati im Scherzo und ein immer neu angesetztes und von Korsten eingefordertes Brausen begeistern das Publikum.


Schwäbische Zeitung, Katharina von Glasenapp, 5. Dezember 2016

Die Frage blieb unbeantwortet

Penderecki, Rachmaninow, Tschaikowski: die russische Musik ist ein so weites Feld wie das Land selber. [...] Der heimische Klangkörper bewies: Keine Angst vor großen Gefühlen - und keine Angst vor schrägen Tönen.

Pianistin Anika Vavic (...) spielte Geige auf dem Tasteninstrument. Ganz in Klangwelten eintauchend, erfreute sie mit Witz und Verve das geneigte Publikum. Rachmaninow, (...) hatte mehr mit Jazz am Hut als mit slawischer Melancholie. Kombiniert mit der italienischen Virtuosität dieser Hommage an Paganini, (...), erlebte das zahlreich erschienene Publikum ein wahres Feuerwerk an Klangfarben.

...das erfrischende Wechselspiel zwischen Solistin, Dirigent Gérard Korsten und dem Orchester machten das Musikerlebnis perfekt.

...Das Publikum war schlicht überfahren von der Klangfülle und den feinziselierten Melodiebögen. Die Hörner orientierten sich im besten Sinne an Wagners gedacktem Klangvorbild. Die Blechbläser insgesamt setzten Maßstäbe, die sich mit dem St. Galler Symphonieorchester schon längst messen können.


NEUE Vorarlberger Tageszeitung, Barbara Camenzind, 6. Dezember 2016

Pressestimmen Festival Texte & Töne
5. und 6. November 2016

Rechtzeitig noch eine "Suite für Menschenrechte"

... Der Abend gehört zunächst dem Symphonieorchester Vorarlberg, da sich bei diesem Anlass abseits seiner gewohnten Aufgaben den besonderen Herausforderungen der zeitgenössischen Musik stellt. Dabei hilft zunächst die Verpflichtung des top bewanderten und überlegenen amerikanischen Dirigenten Scott Voyles. Dazu kommt der spürbare Einsatz jedes einzelnen Musikers, was in Summe zu einer auch vom Publikum und den anwesenden Komponisten sehr positiv aufgenommenen, überzeugenden Darbietung der drei in Profil und Stilistik sehr unterschiedlichen Werke führt. Starglanz kommt mit der international bekannten ungarischen Sopranistin Ildiko Raimondi.

...In die Welt herber Vierteltönigkeit führt die extrem anspruchsvolle und komplexe Partitur des Violinkonzerts der einzigen Frau unter den Komponisten, der Russin Alexandra Karastoyanova-Hermentin, die in düsteren Tönen, mit Stampfen und schmerzvollen Intervallen auch den Gang nach Golgotha heraufbeschwört.

...Dann folgt das mit Spannung erwartete Orchesterwerk "Pastorale" des Altachers Michael Floredo als Auftragswerk des SOV. Der Komponist scheut sich nicht, mit naturalistischem Donnergrollen und Vogelgezwitscher für den Normalhörer Anleihen bei Beethovens "Sechster" zu wagen. Seine spezielle Meisterschaft in der ausgeprägt persönlichen Orchesterbehandlung wird aber in Klangflächen von atmosphärischer Dichte deutlich, in Ausbrüchen von großer Kraftentfaltung und zwingender Rhythmik. Für Effekte sorgt ein durchgehend solistischer Klavierpart (großartig: Akiko Shiochi). Ein toller Erfolg für den Kompositionspreisträger.


Vorarlberger Nachrichten, Fritz Jurmann, 7. November 2016

Pressestimmen 1. Abokonzert
am 29. / 30. / 31. Oktober 2016

Der Krieg gegen das Mittelmaß

Das Orchester bestach durch glasklare Transparenz und feinsinniger Ausgewogenheit zwischen Bläsern und der Streichergruppe. Buchstäblich zum Heulen schön begann der zweite Satz, als die Oboistin Heidrun Pflüger zu ihrem großen Solo anhob - und dem Solisten charmant-unaufdringlich die Show stahl.

... Im dritten Satz ließ Ilya Gringolts endlich die Katze aus dem Sack und brillierte in den bekannten punktierten "Galopp-Passagen" mit einem feurig begleiteten Orchester. [...]
Der heimische Klangkörper bespielte die "heiligen Längen" der C-Dur-Symphonie mit Charme, Herzlichkeit und großer Ernsthaftigkeit.[...] So farbig, so liebevoll musiziert waren des Meisters frühe Ansätze einer symphonischen Dichtung. Korsten und seine Truppe verstanden es kongenial, Schuberts hintersinniges musikantisches Talent mit seinen visionären musikalischen Gedanken zu verbinden. Es war Kopfkino für alle, die Musik lieben.

... Das Symphonieorchester Vorarlberg hat mit diesem ersten Abonnementkonzert einen künstlerischen Quantensprung vollzogen. Es ist kein stehendes Orchester, die Mitglieder treffen sich projektweise. Sie bewiesen, dass sie sich auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiter entwickeln können. Alle Achtung.


NEUE Vorarlberger Tageszeitung, Barbara Camenzind, 2. November 2016

Kraftvoll den Raum füllend

... Besondere Aufmerksamkeit lenkte die eigene Kadenz von Ilya Gringolts auf sich, denn darin zelebrierte er seine hohe Kunst der Doppelgriffe, führte die melodischen Linien gespalten und entfaltete mit Frage- und Antwortspielen, durchsetzt von spannungsgeladenen Pausen, ein feinsinniges musikalisches Beziehungsgeflecht. Wunderbar weich nahmen die Hornisten danach den Solisten wieder in den Gesamtklang auf. Dieses Geben und Nehmen zwischen den Stimmgruppen wurde im stimmungsvollen, langsamen Satz weitergeführt.(...) Die Rhythmik der tiefen Register sowie markante Trillermotive als Gegenpol unterstrichen das ungarische Flair des Finalsatzes.

... Vom ersten bis zum letzten Ton hielt das SOV die Spannung bei der Interpretation der achten Symphonie von Franz Schubert. Vor allem die rhythmische Kraft, die den Themengestalten zugrunde liegt, kristallisierten die Musiker heraus. Gérard Korsten leitete das Orchester mit großem Körpereinsatz und motivierte die Musiker zu aufbrausenden Gesten und großer klanglicher Brillanz. Im Eröffnungssatz schöpfte die Musik ihre vorwärts drängende Energie aus den markanten Punktierungen. [...] Durch die straffen Artikulationen und das eher zügige Tempo im Andante wirkten die Themen mit Nachdruck entfaltet und nahmen teilweise fast trotzige Züge an. Dies erhöhte die Spannung hin zum Scherzo, das wirkungsvoll modelliert erklang. [...] Mit rasendem Tempo spielten die Streicher die Begleitfiguren im abschließenden Allegro vivace. Die motivischen Vergrößerungen, verbunden mit den straffen rhythmischen Figuren, sowie die kraftvollen Klangfarbenspiele zwischen den einzelnen Stimmgruppen steigerten den Bewegungsfluss im Finale. Für die energiegeladene und hoch konzentrierte Werkdeutung erhielten die Musikerinnen und Musiker sowie Gérard Korsten jubelnden Beifall.


KULTUR, Silvia Thurnher, 31. Oktober 2016

Ein Wohlfühlpaket mit Tücken

Eine neue Saison unter dem Motto "Romantik pur" mit zwei Knüllern des Konzertrepertoires zu eröffnen (...) ist ganz nach dem Geschmack es Abonnementpublikums.

Schuberts Symphonie Nr. 8 (..) wird von Gérard Korsten mit seiner langjährigen Mozarterfahrung wiederum aus diesem Blickwinkel gesehen: Schubert als "Klassiker der Romantik". Mit dieser Idee versteht es Korsten, seine Musiker zu einer wirklich aufregenden Deutung dieses Werks zu motivieren, das in Ansätzen oft weit und prophetisch bis Bruckner und Mahler voraus reicht. (...) Es sind auch die spannenden Bezüge der Sätze untereinander und eine geschärfte Sichtweise, die faszinieren, und diese Interpretation zu etwas ganz Besonderem machen. Speziell spürt man das (...) das mit schroff herausgearbeiteten Hell-Dunkel-Kontrasten im Zwiegesang von Holz und Streichern hier innig wie ein Gebet musiziert wird. Und da springt nun der Funke über. So werden schließlich sogar die von Robert Schumann so treffen apostrophierten "himmlischen Längen" dieses Werks als durchaus kurzweilig empfunden, denen man noch lange hätte zuhören können.

...nach 50 Minuten ohne die Wiederholung im ersten Satz, ist dann sogar das galoppierende Finale mit den immer wieder ausbrechenden Eruptionen zu Ende, und was jetzt ausbricht, ist ein Jubelorkan des Publikums.

Nach dem vorangegangenen Gastspiel in Klagenfurt ein toller Start des SOV in die neue Konzertsaison.

Vorarlberger Nachrichten, Fritz Jurmann, 31. Oktober 2016

Stimmungsvolle Klänge vom See

(...) und Danz besonders bei der 8. Symphonie D 944, der "Großen" in C-Dur (...) konnte das Symphonieorchester Vorarlberg unter Gérard Korsten seine Vorzüge voll ausspielen: Strahlendes Blech, warmes Holz und farbige Streicher sowie ein exaktes Zusammenspiel mit exquisiten Solisten aus den eigenen Reihen. Und vor allem animiert durch den energiegeladenen, stets fordernden Dirigenten ergab sich ein ungemein akzentreiches, stark konturiertes und sehr lebendiges Musizieren.

Kleine Zeitung Kärnten, Helmut Christian, 30. Oktober 2016


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